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| Sonnentaler | |||||
links: Sonnentaler auf dem Waldboden; Mitte: Sonnentaler erzeugt durch die Führungsöffnungen eines Rollladens; rechts: Waldweg. Quelle hier. Sonnentaler sind kleine, kreisrunde bzw. meist elliptische Abbilder der Sonne. Sie entstehen, wenn die Sonne durch kleine Öffnungen scheint, etwa im Wald oder hinter einem Rollladenloch. Steht die Sonne senkrecht über dem Boden, entstehen schöne Kreisscheiben, bei tieferem Sonnenstand werden die Kreise zu Ellipsen verzogen. Nun stellt sich folgende Frage: Wie kann eine unregelmässige, kleine Öffnung im Laubwerk eine so schöne Ellipse hervorrufen? Als Erklärung betrachten wir das folgende Bild:
Sei S die Sonne und sei L ein kleines, unregelmässiges Loch im Laubwerk des Waldes. Betrachten wir den roten Sonnenpunkt im Schema links. Er wirkt als Punkt-Lichtquelle und erzeugt am Boden ein (elliptisch verzogenes) Abbild L1 des unregelmässigen Lochs L. Dasselbe geschieht mit dem blau markierten Punkt, genauer jedoch mit allen Punkten der Sonne. Am Boden entstehen somit unzählige kleine Abbilder des Loches L. Diese Abbilder überlappen sich und liegen unendlich dicht, sodass die Information über die Form des Loches L verloren geht: Die Form des Loches wird irrelevant! Es ist, als ob jemand mit einem kleinen Musterstempel eng und überlappend stempelt: Das Muster wird nicht mehr erkennbar sein; alles wird homogen ausgefüllt unabhängig von der Form des Stempels. Was bleibt, ist die Grossform der Sonnenscheibe, die als Ellipse am Boden sichtbar wird. Durch den Lochkameraeffekt steht das Bild auf dem Boden seitenverkehrt und auf den Kopf gestellt. Da die Sonnentaler Abbilder der Sonne sind, wird auch eine Sonnenfinsternis in den Talern abgebildet, die dann sichelförmig sind. Bei schrägem Sonneneinfall entstehen elliptische Sonnentaler (a = grosse Halbachse, b = kleine Halbachse der Ellipse).
Halten wir einen Auffangschirm senkrecht zur Lichtquelle (blaue Linie), entsteht ein kreisrunder Sonnentaler mit Durchmesser b. Auf dem horizontalen Waldboden wird dieser Taler zu einer Ellipse mit Halbachsen a und b verzogen. Ein informatives PDF zum Thema hier. Johannes Kepler simulierte den Strahlengang, der zur Entstehung der Sonnentaler führt, mit Hilfe eines Buches, welches die Sonne repräsentierte, und einem Faden, der durch eine vieleckige, kleine Lochblende lief. Er zeigte so, dass beim nachgezeichneten Kreidebild am Boden die Form des Buches (als Mosaik kleiner Abbildungen der Blende) entstand:
Wer wie Aristoteles eine Sonnenfinsternis beobachten will, kann sich entweder eine spezielle Finsternis-Brille zulegen oder sich eine lange Camera Obscura bauen.
Camera Obscura für die Betrachtung einer Sonnenfinsternis: Versandpapprolle 1200 mm x 100 mm. Ein Ende verschlossen mit kleinem Blendenloch (Richtung Sonne), das andere Ende lichtdicht abgeschlossen mit einem Transparentpapier. Die Sonne erscheint uns unter einem Winkeldurchmesser von ca. 0.53° (Sonnendurchmesser : Sonnenentfernung ist ca. 1:108). Somit ist bei einer Rohrlänge von 1200 mm der Wert für x gleich 1200 tan(0.265°), somit 2x = 2400 tan(0.265°), das sind ungefähr 11.1 mm. Die Grösse des Sonnenbildes lässt sich aus der Rohrlänge R viel elementarer auch so berechnen: Mit kürzeren Cameras wird das Sonnenbild zu klein. Die Handhabung dieses langen Rohrs ist allerdings etwas knifflig. In welcher Höhe h ist die Blende im Blätterwald über dem Boden? Der Boden sei horizontal! LA und LP sind gleich gross =: l. a und b sind die Halbachsen der Sonnentaler-Ellipse.
Es ist l : b = 108 => l = 108 b. Bei nicht allzu tiefem Sonnenstand ist die Differenz a - b gering und der zweite Summand im grünen Kasten kann gegenüber dem ersten vernachlässigt werden. Beispiel 1: Eine Sonnentaler-Ellipse auf horizontalem Boden habe die Halbachsen a = 12 cm und b = 10 cm. Dies entspricht einer Sonnenhöhe von ca. 56°. Beispiel 2: Ellipse auf horizontalem Wohnzimmerboden durch Rollladenöffnung: a = 5 cm, b = 2.6 cm. Da a und b infolge Unschärfe nicht völlig präzise zu ermitteln sind, empfiehlt sich die Anwendung obiger Formel nur für relativ grosse Sonnentaler (Blendenöffnung relativ weit oben, d.h. eher für Beispiel 1 als für Beispiel 2). Misst man z.B. a = 4.9 cm und b = 2.7 cm, ergibt der erste Summand bereits eine Höhe von 160.7 cm. Auch Kirchenfenster können mit ihren kleinräumigen Farbfeldern elliptische Taler ins Kircheninnere projizieren:
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